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Aktuelles aus unseren Rechtsgebieten

Vertragsrecht

Der neue Widerrufsjoker zum Autokredit!

[EuGH Urt. v. 09.09.2021]

In diesem Urteil widerspricht der Europäische Gerichtshof der Auffassung des Bundesgerichtshofs und stellt klar, welche Informationsanforderungen im Rahmen eines Autokredites die kreditgebende Bank bei Vertragsschluss erfüllen muss.

Dieses Urteil führt nunmehr zu einer Chance für Millionen Autokreditvertragskunden, den Autokredit zu widerrufen und sogar auch die gezahlten Autokreditraten zurückzufordern.  

Der EuGH hat darüber hinaus auch verdeutlicht, dass die Einrede der Verwirkung diesmal nicht greift.

Gerne beraten wir Sie zu Ihrem Autokreditvertrag und überprüfen Ihre Chancen.

Arbeitsrecht

Nicht immer taugt der gelbe Schein als Beweis

Wird der Arbeitnehmer gekündigt und meldet dieser sich dann bis zum Ablauf der Kündigungsfrist krank, kann er damit rechnen, dass sein Gehalt entsprechend gekürzt wird. In einem Prozess muss der Arbeitnehmer gegebenenfalls dann zum gelben Schein noch einen zusätzlichen Beweis anführen, um seinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung ausgeurteilt zu bekommen.

So entschied das Bundesarbeitsgericht in einem aktuellen Urteil [5 AZR 149/21].

Familienrecht

Wenn das unterhaltsberechtigte Kind in einem laufenden Unterhaltsverfahren volljährig wird,

wird das gesamte Verfahren, welches in der Regel von dem betreuenden Elternteil geführt wird, rückwirkend unzulässig, wenn das Kind das Verfahren nicht weiter führen möchte.

Es gibt jedoch Wege, dennoch rückwirkend den Unterhalt einzufordern.

Frau Rechtsanwältin Lomp berät Sie hierzu gerne. Vereinbaren Sie einen Termin mit uns.

Arbeitsrecht

Aus befristet wird unbefristet

Aus einem befristeten Arbeitsverhältnis kann ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstehen. 

Das geschieht grundsätzlich dann, wenn die Arbeit nach dem vertraglich festgesetzten Datum in Kenntnis des Arbeitsgebers in gleicher Form fortgeführt wird und der Arbeitgeber nicht ausdrücklich der Weiterbeschäftigung widerspricht.

 

Familienrecht

Keine nachträgliche Vollstreckbarkeit privater Umgangsvereinbarungen

Wenn Sie eine außergerichtliche und einvernehmliche Regelung zum Umgang treffen, kann aus dieser nicht vollstreckt werden, wenn gegen diese Vereinbarung verstoßen wurde. Hierzu benötigen Sie vor allem eine gerichtliche Billigung einer Umgangsvereinbarung.

Eine gerichtliche Billigung ist aber nur dann möglich, wenn ein Antrag bei Gericht zu einer bestimmten Umgangsregelung gestellt worden ist.

Ein Verstoß gegen private außergerichtliche Umgangsvereinbarungen kann daher allenfalls zu Schadensersatzansprüchen bei Vermögensschäden führen.

Wenn Sie eine vollstreckbare Umgangsregelung begehren, dann wenden Sie sich gerne an uns.

Vertragsrecht

Parship darf Kunden trotz Widerruf zur Kasse bitten

[BGH Urt. 17.06.2021, Az. III ZR 125/19]

Online-„Singlebörsen“ wie Parship oder ElitePartner haben – anders als klassiche Partnerschaftsvermittlungsinstitute – einen einklagbaren Anspruch auf Vergütung. 

Bei der Online-Partnervermittlung besteht die Leistungspflicht der Plattformen im Kern darin, ihren Usern einen unbeschränkten Zugang zur Plattform zu gewähren, auf der diese aus eigener Initiative einen Kontakt zu potentiellen Partnern herstellen können.

Der Wertersatz wurde jedoch auf 1,46 Euro (Für einen Tag der Leistung) herabgesetzt. Das folge aus dem Grundsatz, wonach die Berechnung zeitanteilig zu erfolgen habe, so der BGH. 

Haben Sie Fragen? Wir beraten Sie gerne!

Arbeitsrecht

Der neue Azubi – „Mindestlohn“ für einen Ausbildungsbeginn ab dem 01.01.2020

Allen Auszubildenen, die ihre Tätigkeit nach dem 31.12.2019 begonnen haben, ist nach der Erneuerung des Berufsbildungsgesetzes fortan ein gesetzlich vorgeschriebener Mindestlohn zu gewähren. Er beginnt bei Tarifungebundenheit mindestens bei 515 EUR, wobei Sachleistungen angerechnet werden können.

Haben Sie Fragen? Wir beraten Sie gerne!

Verkehrsrecht

Zu den Desinfektionskosten als Position des Schadensersatzes für die Reparatur eines verunfallten Fahrzeuges

Stellt die Werkstatt bei der Reparatur eines verunfallten Fahrzeuges während der Pandemie Reinigungs- und Desinfektionskosten in Rechnung, sind diese gemäß § 249 Abs. 1 BGB erstattungsfähig.

Das Amtsgericht Frankenthal hat mit Urteil vom 12.4.2021 entschieden, dass die Desinfektionsmaßnahmen bei der Instandsetzung des Fahrzeuges erforderlich gewesen sind.

Der BGH orientiert sich bei der Schadensbetrachtung nicht nur an den objektiven Kriterien. Der Begriff der Erforderlichkeit im Sinne des § 249 Abs. 2 S. 1 BGB erweitert den Schadensbegriff auch um eine subjektive Komponente. Danach darf der Geschädigte diejenigen Kosten ersetzt verlangen, die vom Standpunkt eines verständigen, wirtschaftlich denkenden Menschen in der Lage des Geschädigten zur Behebung des Schadens zweckmäßig und notwendig erscheinen.

 

[AG Frankenthal Urt. v. 12.04.2021]
Vertragsrecht

Zum Zustimmungserfordernis der Bankkunden bei Ankündigung der Änderung der allgemeinen Geschäftsbedingungen

Folgt von einem Bankkunden auf die Ankündigung von Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen keine Reaktion, kann hieraus keine Zustimmung geschlussfolgert werden. Das entschied der  Bundesgerichtshof am 27.4.2021.

[BGH Urt. 27.04.2021, Az. XI ZR 26/20]

Die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) obsiegte in einem Verfahren gegen die Postbank vor dem Bundesgerichtshof: Der XI. Zivilsenat entschied vor einer Woche, dass Klauseln in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einer Bank unwirksam sind, wenn diese ohne inhaltliche Einschränkung die Zustimmung des Kunden fingieren.

Familienrecht

Zur Rechtmäßigkeit eines Corona-Schnelltests als Voraussetzung für den Präsenzschulunterricht; Gerichte bestätigen Test- und Maskenpflicht für Präsenzschulkinder

Die Oberverwaltungsgerichte Magdeburg, Lüneburg und Mecklenburg-Vorpommern haben kürzlich entschieden, dass die Verordnungen bzw. die Allgemeinverfügungen, die eine Teilnahme am Präsenzunterricht nur durch eine elterliche Zustimmung zur Teilnahme des Kindes an einem in der Schule unter Aufsicht durchgeführten Antigen-Schnelltest oder der Nachweis eines entsprechenden zu Hause durchgeführten Tests gestatten, rechtmäßig sind.

 

[FamRZ, Mitteilung vom 21.04.2021]
Arbeitsrecht

Gesetzesentwurf zur Verschärfung des Rechts der Befristung von Arbeitsverträgen

Am 14.4.2021 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter der Leitung des amtierenden Bundesarbeitsministers Heil einen Gesetzesentwurf zur Änderung des allgemeinen Befristungsrechts vorgelegt. 

Bestandteil des Entwurfes sind insbesondere Verschärfungen bei sachgrundlosen Befristungen und „Kettenbefristungen“. So soll ein Arbeitsverhältnis künftig max. für 18 Monate anstatt für zwei Jahre sachgrundlos befristet werden können. Ferner sollen Unternehmen mit mehr als 75 Beschäftigten mit höchsten 2,5 Prozent der Beschäftigten sachgrundlos befristete Arbeitsverträge abschließen dürfen.

„Es gibt zu viele willkürlich befristete Arbeitsverträge, die vor allem für junge Menschen große Unsicherheiten in der Lebensplanung bedeuten“, sagte der SPD-Politiker dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Für Beschäftigte – vor allem Berufseinsteiger – bedeuteten sachgrundlose Befristungen Unsicherheit und oft weniger Einkommen. Viele Befristungen seien häufig nicht betrieblich notwendig, sondern nur Mittel zur Umgehung des Kündigungsschutzes. „[Quelle: Tagesschau vom 15.04.2021- https://www.tagesschau.de/wirtschaft/heil-befristungen-101.html]

Verkehrsrecht 

Fehlverhalten in der Waschstraße bei einem Bremsmanöver im laufenden Waschbetrieb und bei nicht rechtzeitigem Verlassen der Waschstraße

[Oberlandesgericht ZweibrückenUrteil vom 27.01.2021 – 1 U 63/19 -]

Verlässt der Vordermann nicht rechtzeitig die Waschstraße, weil dieser nicht gleich beim ersten Startversuch angesprungen ist, kann hieraus eine anteilige Haftung an der Beschädigung des Fahrzeuges des Hintermannes entstehen, auch wenn keine Kollision zwischen den Fahrzeugen eingetreten ist. Dies hat das zitierte Oberlandesgericht entschieden. Der Hintermann befürchtete aufgrund des zu späten Verlassens des Vordermannes eine Kollision, bremste derart stark, dass dieser das Förderband verließ und mit den Gerätschaften der Waschstraße zusammenstieß.

Aufgrund der Tatsache, dass jedem Besucher einer Waschstraße bekannt sei, dass ein Bremsen während des Waschvorgangs nicht gestattet ist und auch aufgrund der Warnhinweise vor Betreten der Waschanlage hat das Oberlandesgericht eine Haftungsverteilung zu 70 % für den Hintermann und zu 30 % für den Vordermann entschieden. Die Haftung des Vordermannes folgt aus der Betriebsgefahr, weil der Fahrer versuchte mit der Motorkraft die Waschanlage zu verlassen. Eine Gefahr durch die Waschanlage lag nicht mehr vor. 

Familienrecht

Die Aufhebung einer bereits bewilligten Verfahrenskostenhilfe kann zu einer Besorgnis der Befangenheit des Richters führen

[Oberlandesgericht Oldenburg mit seinem Beschluss. v. 19.11.2020, Az. 11 WF 259/20]

Weigert sich ein Elternteil einer Begutachtung seiner Erziehungsfähigkeit im Rahmen eines Sorgerechtsverfahrens und wird aus diesem Grund eine bereits bewilligte Verfahrenskostenhilfe aufgehoben, kann der Richter wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden.

Das Oberlandesgericht hat entschieden, dass niemand gezwungen werden dürfe, sich zur Frage der Erziehungsfähigkeit begutachten zu lassen. Betroffen ist hierbei das allgemeine Persönlichkeitsrecht.

Das Oberlandesgericht erkennt eine Verknüpfung mit der unterbliebenen Mitwirkung des Betroffenen Elternteils an der Begutachtung und der Aufhebung der Verfahrenskostenhilfe als so gravierend verfahrensfehlerhaft, dass der Betroffene den Eindruck gewinnen musste, dass sich der abgelehnte Richter leichtfertig über seine grundrechtlich geschützte Position hinwegsetzt. Damit ist das Misstrauen in die Unparteilichkeit des erkennenden Richters begründet.

Arbeitsrecht

Abschied vom „gelben Schein“

Mit einer Gesetzesänderung sind Ärzte und Ärztinnen ab 2021 verpflichtet, die Daten zur Arbeitsunfähigkeit ihrer Patienten und Patientinnen direkt und digital an die Krankenkasse und an den Arbeitgeber zu versenden.

Hiermit soll ein hoher bürokratischer Aufwand verschlankt werden.

Geplant war die Gesetzesänderung zum 01.01.2021. Aufgrund des enormen technischen Aufwandes ist jedoch erst mit einer Gesetzesänderung zum 01.10.2021 hinsichtlich der Übermittlung der elektronischen Daten an die Krankenkasse und eine Änderung zum 01.07.2022 zur Versendung der elektronischen Daten von den Krankenkassen an den Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin zu rechnen. Dies wird in Zukunft bedeuten, dass weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer sich umständlich um eine Übersendung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bemühen müssen.

Arbeitsrecht

Krankheitsfall während der Instanzen in einem Kündigungsschutzprozesses

[Bundesarbeitsgericht mit seinem Urt. v. 27.5.2020, Az. 5 AZR 247/19]

Der Grundsatz heißt: „Ohne Arbeit kein Lohn“.

Dieser Grundsatz wird jedoch durch Ausnahmen gelockert. Erkrankt der Arbeitnehmer, liegt ein gesetzlicher Feiertag vor oder wird der Urlaub in Anspruch genommen, erhält der Arbeitnehmer auch ohne Arbeitsleistung, von Gesetzes wegen, den vereinbarten Lohn.

Zu der Frage, ob ein Entgeltfortzahlungsanspruch auch dann entsteht, wenn der Arbeitnehmer während eines Kündigungsschutzprozesses über mehreren Instanzen erkrankt, durfte sich das Bundesarbeitsgericht mit o.g. Urteil befassen.

Das BAG hat hierzu an seine frühere Rechtsprechung festhaltend entschieden, dass der Kläger im Rahmen eines Prozessbeschäftigungsverhältnisses (Feststellung der Unwirksamkeit der Kündigung in erster nicht rechtskräftiger Instanz, was zur Wiederaufnahme des Arbeitsverhältnisses bis zu einer endgültigen rechtskräftigen Entscheidung in den Rechtsmittelinstanzen führte) keinen Anspruch auf Fortzahlung des Entgelts im Krankheitsfall (§ 3 EFZG), noch auf einen Lohn an den angefallenen Feiertagen (§2 EFZG) hat.

Der Kläger ist im Zeitraum des Prozessbeschäftigungsverhältnisses kein Arbeitnehmer im Sinne des EFZG gewesen.

Verkehrsrecht

Sperrzeit wegen Verlust des Führerscheins

Ist der Verlust der Fahrerlaubnis der Grund einer Kündigung des Arbeitsverhältnisses, so ist eine darauf folgende Sperre des Arbeitslosengeldes durch die Bundesagentur für Arbeit, aufgrund einer verhaltensbedingten Kündigung rechtmäßig.

[Sozialgericht Stuttgart, Urt. v. 30.9.2019, Az. S 3 AL 6956/18]

Die Entziehung der Fahrerlaubnis trifft hart. Welch weitreichende Konsequenzen diese Maßnahme auch hat, zeigt sich durch das Urteil des Sozialgerichts Stuttgart. Diese Erfahrung musste ein Taxifahrer machen, dem wegen einer Verkehrsstraftat die Fahrerlaubnis entzogen worden ist, woraufhin die Kündigung des Arbeitsverhältnisses ausgesprochen wurde. Zusätzlich verhängte die Arbeitsagentur im Anschluss daran eine Sperrfrist von zwölf Wochen und verweigerte für diesen Zeitraum die Auszahlung des Arbeitslosengeldes, da der Taxifahrer den Grund seiner Kündigung selbst zu vertreten hatte. Das Sozialgericht Stuttgart (Urteil vom 30.9.2019, Az. S 3 AL 6956/18) wies die Klage des Taxifahrers gegen die Sperrzeit ab.

 

 

Arbeitsrecht

Entschädigung wegen Diskriminierung in Höhe von 5.000,- EUR

Die in einer Stellenanzeige abgegebene Aufforderung, die Konfession anzugeben, ist ein ausreichendes Indiz für eine unterschiedliche Behandlung wegen der Religion nach § 22 AGG.

[ArbG Karlsruhe v. 18.09.20, 1 Ca 171/19]

In diesem Urteil konnte die Kirche aus Arbeitgeberposition mit der Behauptung, die Auswahlentscheidung sei allein nach dem Prinzip der Bestenauslese getroffen worden, eine Benachteiligung wegen der Religion der atheistischen Bewerberin nicht widerlegen.

Familienrecht

Ordnungsgeld wegen Umgangsverweigerung in Corona-Zeiten

1. Von einem gerichtlich geregelten Umgang darf ein Elternteil nicht einseitig abweichen.

2. Ein durch Beschluss des Familiengerichtes geregelter Umgang des Kindes mit dem anderen
    Elternteilt darf ohne rechtfertigende (Eil-) Entscheidung des Familiengerichtes im Rahmen
    eines Abänderungsverfahrens auch nicht unter Hinweis auf die Kontaktbeschränkungen
    wegen der Verbreitung des Corona-Virus verweigert werden.

3. Gegen ein Elternteil, der den Umgang gleichwohl nicht gewährt, kann ein Ordnungsgeld verhängt werden.

OLG Frankfurt, Beschluss vom 08.07.2020 – 1 WF 102/20 (AG Langen (Hessen))